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137 days ago
Der Stuhl steht am Schreibtisch jederzeit bereit besetzt zu werden. Das Zimmer ist alles Andere als vollkommen. Nichts ist innerhalb dieser vier Wände vollkommen. An dem Schreibtisch fehlen die Schubladen, an der blass leuchtenden Tischlampe mehr Helligkeit und selbst der Kugelschreiber ist nur halb gefüllt mit blauer Tinte, die bald anfängt zu kochen, wenn es nicht benutzt wird. Und doch scheint das Zimmer, dank dem Schreibtisch an der Wand und dem Stuhl der davor steht, vollkommen zu sein. Vollkommen für den, der nichts Anderes braucht als einen Stuhl einen Schreibtisch und ein leeres Blatt Papier, das begierig darauf wartet beschrieben zu werden. Es zittert voller Ungeduld unter dem schwachen Licht der Lampe, die das Blatt in der unendlichen Stille des Raumes erwärmt. Umgeben ist der Schreibtisch von Büchern mit trockenen Seiten, manche von den schon zigmal vom Selben Leser gelesen wurden. Staub hat sich über denen hernieder gelegt und beim zuschlagen eines Buches entsteht die ...
530 days ago
Ist die Trauer denn so herrlich, dass du hinter deinem Handeln her trauerst? Taugst du denn nicht dazu deine Seele zu halten, zu pflegen, zu füttern und zu beherzigen? Betaste doch deinen Kinn und streichel über deinen Bart, in dem vom Weisheit fülle sein sollte. Unnützige Weisheit trägst du mit dir herum die für deinen Nächsten zum Leben wert wäre. Verschwenderisch, ohne jeden Sinn und unvorbildlich für einen achtjährigen Studenten. Was ein Lehrer bist du doch nur deinen Knaben. Unfähig den Weg zu deinem Herzen zu finden humpelst du jammernd durch die steinigen Gassen des Lebens. Was eine unaufmerksame Gestalt, der jeden Schritt auf der Erde mit reue bezahlt. Vergessen hast du wohl den Herrn, der über uns mächtig ist, bevor dein Herz bereut was du tatest, nun öffne die Augen vor den Strahlen der goldnen Sonne, der dir Heilung schenken möge, doch die wahre Heilung findest du nur in dir selbst. Weisheit hast du längst erlangt mit deinem ...
577 days ago
Eines Morgens schlich sich Njanu aus dem Zelt seines Großvaters und machte sich auf den weiten Weg in die Stadt, ohne zu wissen wo die Stadt eigentlich ist. Um seinen schlafenden Großvater nicht aufzuwecken ging er auf den Fußspitzen bis er sich entfernt hatte. Njanu schlug den einzigen Weg ein der in die Richtung der aufgehenden Sonne führte. Er war noch nie in der Stadt gewesen. Doch da er von anderen Stammesmitgliedern, die jetzt nichtmehr da waren, mal gehört hatte, dass man in der Stadt alles vorfindet was man zum Leben braucht, hatte Njanu entschlossen sich dorthin zu begeben um Medikamente für seinen kranken Großvater zu besorgen. Nach einer Weile wo die Sonne schon heller über den steinigen Pfad strahlte traf Njanu einen bärtigen Mann mit einem Stock in der Hand der auf einem Felsen saß. „Hallo, kleiner Mann“, sagte dieser. Njanu war erst Acht. „Wo geht’s denn hin?“. „In die Stadt“, bekam der Mann zur Antwort. „Mein Großvater ...
630 days ago
Man tritt dominant in ihren Haus ein, geht ein paar neugierig und begierige Schritte auf sie zu, packt sie am Arm und reißt sie wie Wild hinaus. Mitten auf dem Hofe des Dorfes liegt sie nun da, beobachtet von den Menschen die sie umgeben, deren hilflose Blicke sie versucht zu erwidern. Mit den flachen Händen auf die rote Erde gestützt hebt sie ihren schweren Oberkörper langsam hoch um zu erkennen was eigentlich geschehen ist und sie stellt fest in was für einer Lage sie und ihre Dorfmitbewohner sich befinden. Als wären sie gezwungen zu ihr hinzusehen, als hält man ihnen ein Messer an die Kehle damit sie zusehen was gleich mit ihr geschehen wird. An den trüben Gesichtern ist zu erraten was gleich geschehen wird. Man fasst sie von hinten fest an den Haaren und zwingt sie und bringt sie dazu sich auf den Rücken zu legen, man schlägt auf sie ein, tretet und bespuckt sie. Man zerrt ihre Kleider vom Leibe. Sie hat aufgehört, denn sie hat keine Kraft mehr. Sie hat aufgehört, denn sie nimmt ...
701 days ago
Wie einsam du doch nur hinunterblickst, du lieber Stern am Himmel der von der Finsternis umgeben ist. Ich frage mich wer von uns Beiden wohl der Gefangene dieses Universums ist. Bin ich gefangener, in dieser Kugel von der ich das Gefühl hab, dass es sich immer fester zusammen zieht, dass der Äquator sich bald um meinen Hals schlingt und mich erwürgt, als du der vom Himmel festgehalten wird, dass du mich meiner Freiheit wegen beneidest. Vielleicht ist es auch nur ein amüsanter Blick den du auf mich wirst, womit du mir zeigen möchtest wie lächerlich wir Menschen doch nur sind. Was für ein lächerliches Leben wir doch nur führen…Vielleicht schaust du auch nur so fragwürdig, weil du versuchst diese Lächerlichkeit zu verstehen, sie zu begreifen. Vielleicht erhoffst du dir auch nur Jemanden hier unten zu finden der deine misslige Lage verstehen könnte. Wie kannst du dir dies nur ansehen, wie kannst du auch nur den Blick zu mir wenden, wie beschämend sollte es für dich, über mich erhabener, ...



